Kleine Geschichte des Kredits

Eine Sache des Glaubens – das Substantiv „Kredit“ kommt vom lateinischen Verb „credere“, welches „glauben“ bedeutet. Und Gaubwürdigkeit – die müssen letztlich beide Seiten in einem Geldleihgeschäft haben. Betrüblich, dass in der Geschichte der Glaubwürdigkeit so verlogene antisemitische Stereotype entstehen konnten.

Entstanden ist durch das Kreditwesen sicherlich auch das antisemitische Klischee des Geldleihers, das selbstverständlich jeglicher Grundlage entbehrt. Fakt ist, dass es im Mittelalter nur Juden erlaubt war, Zinsen zu nehmen – und nur so war ja letztlich ein gewerbsmäßiger Kredit möglich. Es war also eine religiös bedingte Eigenschaft einer randständigen Gruppe, die sich christliche Herrscher und Landesherren zunutze machten, um sich Geld zu leihen, um einen Krieg auf Pump zu finanzieren – für sie war also die Stellung der Juden in der Gesellschaft mit Hinblick aufs Thema Kredit günstig. Ob sie dabei ihre Schulden überhaupt zurückzahlten, ist dabei eine ganz andere Geschichte. Auch die Unterhaltung des Hofes wurde bereits im Mittelalter gerne über Schulden finanziert. Nutznießer des religiösen Unterschiedes waren also vor allem gierige christliche Herrscher, beziehungsweise Herrschaftsklassen – und nicht die häufig wegen der Geldleihe gerade von den eigentlichen Profiteuren diskriminierten Juden (von denen die meisten noch nicht einmal mit Geldgeschäften zu tun hatten), die sich einen günstigen Kredit verschaffen konnten. Auch wurde ihnen der Zugang zu den meisten Berufen verwehrt, sodass man mit Fug und Recht behaupten kann, der jüdische Bevölkerungsanteil sei in bestimmte Berufszweige gedrängt worden und aufgrund deren Ausübung einerseits ausgenutzt und andererseits verleumdet.

Das Verbot fällt

Das Klischee vom jüdischen Geldleiher ist auch insofern eine Farce, als bereits im 17. Jahrhundert das Zinsverbot für Christen aufgehoben wurde. Die Fugger verliehen überdies bereits im 16. Jahrhundert Geld und die Gründer früher Banken, Raiffeisen und Schulze-Delitzsch, waren Christen. Das Klischee vom „raffenden Juden“ ist also nichts als purer böswilliger Antisemitismus und hat kein historisches Fundament. Raffgierig sind die Macht und der Kapitalismus; das ist den beiden Institutionen inhärent, ja, für sie konstitutiv, denn nur so können sie bestehen bleiben.